Orthodoxe Kirche Hl. Maria von Ägypten in Tübingen

Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchates





Joh. 3, 13-17 / Gegen Weltendehysteriker

„So sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn dahingab, auf daß alle, die an Ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.“ (Joh. 3, 16)

Dieses Opfer, dieser Liebesbeweis ist so groß, dass unzählige Christen im Vertrauen darauf mit Freuden ihr Leben geopfert haben, denn sie wussten, dass an dem Ort, wo Gott sie hingestellt hat, sie sich bewähren müssen, dass sie vom barmherzigen Gott gerettet und in seiner Liebe aufgefangen werden.

Nun gibt es aber einige Leute hier in unserer Gemeinde, die unsere Mitbrüder und Mitschwestern verunsichern und in Gewissensqualen stürzen, indem sie davon reden, dass endzeitliche Bedrängnisse unmittelbar bevorstünden und man sich nur an einen bestimmten Ort in den Wäldern Russlands retten könne. Dies zu verkünden ist eine schwere Sünde, eine Sünde, die auch viele Sekten nichtorthodoxen Glaubens, z. B. auch hier in Süddeutschland, begehen. Dieser Panikmache liegen mehrere Irrtümer zugrunde.

Das Kommen des Herrn, ebenso das Auftreten Antichrists, der versuchen wird Christus nach-zuahmen, sind kosmische Ereignisse, denen man sich nicht durch Flucht entziehen kann. Von seiner Wiederkunft sagt der Herr: „Denn wie der Blitz ausgeht von Sonnenaufgang und scheint bis zum Niedergang, also wird auch sein die Ankunft des Menschensohns.“ (Matth. 24, 27) Von ähnlichem kosmischem Ausmaß wird das Kommen des Antichrists sein, da durch sein Wirken unsere Welt ihrem Tode entgegensiecht; dem wird man nirgends entgehen können, ähnlich wie heute schon Umweltkatastrophen in Gegenden vorkommen, wo man sie vorher nicht kannte. Der Kirchenvater Laktanz schildert dies folgendermaßen: „Schließlich geraten die Dinge in einen solchen Zustand, dass man die Lebenden beklagt und die Toten beglück-wünscht. Städte und Dörfer gehen zugrunde, bald durch Feuer und Schwert, bald durch häufige Erdbeben, bald durch überschwemmungen, bald durch Seuchen und Hunger. Die Erde bringt keinen Ertrag mehr hervor, sie ist unfruchtbar durch das übermaß von Kälte oder Hitze. Alles Wasser verwandelt sich … so dass nichts mehr für Speisen brauchbar oder zum Trinken heilsam ist. …Die Sonne umdüstert sich zu immerwährender Blässe, der Mond färbt sich in Blut … alle Sterne fallen vom Himmel, den Zeiten bleibt nicht mehr ihre Gesetz-mäßigkeit, Winter und Sommer sind vermengt. Dann kürzt sich auch das Jahr und der Monat und der Tag und dies ist das Alter und die Ermattung der Welt.“ (Abriß der göttl. Unterweisungen, 66 ff)

Die Zeichen der Zeit, die wir jetzt sehen, sind nicht Zeichen des Endes. Es ist nicht das Ende der Tage, aber - das ist wichtig - eine Zeit, die auf die Endzeit zuläuft. Das hat Christus selbst gesagt: „Wenn ihr hören werdet von Kriegen und Aufruhr, so entsetzt euch nicht, denn das muß zuvor geschehen, aber das Ende ist noch nicht so bald da.“ (Lk. 21, 9) Furchtbare Kriege gab es schon immer, so sind in Deutschland im Dreißigjährigen Krieg zwei Drittel der Bevölkerung umgekommen; um eine anderes Beispiel zu nennen: Durch die Kommunisten wurde in Albanien die orthodoxe Kirche fast ganz ausgerottet.

Was ist das Gefährliche, wenn Menschen eine Zeit nicht als Alltag, sondern als Endzeit einordnen? Die Geschichte hat gezeigt, dass diese Menschen alles aufgeben, der Alltag und die Verantwortung für ihre Mitmenschen werden unwichtig, sie wollen egoistisch ihre Haut retten. Dies ist dann der Zeitpunkt für Verführer und Betrüger, die in dieser Panik ihre eigenen Pläne verwirklichen wollen. „Seht zu, lasst euch nicht verführen“, spricht Christus, „denn viele werden kommen in meinem Namen und sagen, Ich sei es, und: ‚die Zeit ist herbeigekommen’. Folget ihnen nicht nach!“ (Lk. 21, 8)

Zwei Dinge sind entscheidend, sagt unser Herr Jesus Christus: „Kein Haar von eurem Haupt soll verloren gehen. Seid standhaft, und ihr werdet euer Leben gewinnen.“ (Lk. 21, 19f.) Die Trübsale und Verfolgungen sind nur Durchgangsstation, sie sind die Geburtswehen für eine neue Welt. Wir müssen uns im täglichen Leben bewähren. Diese Bewährung kann und darf nicht auf die Endzeit verschoben werden. Es bewährt sich, sagt Jesus, wer durchhält und bei dem die Liebe nicht erkaltet.

Denn Christen wissen: Es geht auf ein gutes Ende zu. Trotz aller Angst und Not, trotz Bedrängnis und Verfolgung und aller Schrecken die noch kommen werden. "Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht." Nicht das Ende naht, sondern Jesus Christus naht. Nicht etwas kommt auf uns zu, sondern ER, unser Herr und Erlöser Jesus Christus kommt. Der, an den wir glauben, kommt. Er, der uns liebt und den wir lieben und der unsere Hoffnung ist, kommt. Wir müssen uns nicht fürchten und in Panik geraten. Und mit unseren Brüdern und Schwestern aller Zeiten können wir voll Vertrauen rufen: „Maranatha, ja unser Herr, komm.“

Denjenigen, die hier unter uns Panik machen wollen, sei folgendes aus einer Predigt unseres Johannes Chrysostomus (Homilie zum 1. Thessalonicherbrief 9, 1) eindringlich gesagt: „Was sollte es uns nützen, die Zeit des Jüngsten Tages zu kennen? Gesetzt, das Ende der Welt komme nach 20, nach 30, nach 100 Jahren – was hilft das uns? Ist nicht für jeden das Ende seines eigenen Lebens auch der Jüngste Tag? Was grübelst und brütest du also über das Ende der Welt? Es geht hier wie sonst auch, wo man die eigenen Fehler nicht sieht und sich dafür sehr um andere kümmert und sagt: ‚dieser oder jener ist unzüchtig, der andere ein Ehebrecher oder ein Dieb oder ein Betrüger.’ An seine eigenen Untugenden denkt man nicht; jeder kümmert sich um fremde Dinge mehr als um die eigenen Angelegenheiten. So geht es auch in dieser Sache: Statt unser eigenes Lebensende zum Gegenstand unserer eifrigen Sorge zu machen, verlieren wir uns in eitle Grübeleien über das Weltende. Welcher Zusammenhang besteht zwischen diesen beiden Dingen? Sorge nur für ein gutes Ende deines Lebens, dann wird dir das Weltende nichts Schlimmes bringen! Ob es dann bald kommt oder erst in fernen Zeiten, kann dir ganz gleichgültig sein. Christus hat deshalb auch nichts darüber geoffenbart, weil die Kenntnis dieses Zeitpunkts nicht von Nutzen ist.“ Amen.

25.09.2005
Abt Mitrofan (Hauser)
Priester Paul Sohnle

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